Industriebeirat 2017 hat getagt: Intensiver Austausch im ProDok 4.0-Projekt

ProDok 4.0-Industriebeirat antwortet Fragen rund um die Wissensarbeit

ProDok 4.0-Industriebeirat antwortet Fragen rund um die Wissensarbeit

Reflexions- und Diskussionsrunde

Bereits im Vorfeld hatten wir Fragen im Projektteam gesammelt und in drei Themengebiete gegliedert:

  1. Wissensarbeit und Prozesse der Dokumentation
  2. Unternehmensprozesse
  3. Technologien

Da 78 % unserer Gäste sich für Fragen im Bereich der Wissensarbeit und Prozesse der Dokumentation entschied, lag der Fokus der Reflexionsphase auf den Fragen der Wissensarbeit.

Ergebnisse der Diskussion zur Wissensarbeit

Anforderungen an eine Dokumentation der Zukunft

Die Mehrheit der antwortenden Personen (70%) betrachteten sowohl die Modularität und Kontextualität der Inhalte als auch die rollenbasierte und online Bereitstellung (Suchbarkeit und Wiederauffindbarkeit) der Informationen als wichtige Anforderungen an eine Dokumentation der Zukunft.

Granularität der Information

Zur Frage der Granularität der Module „Symptom“, „Cause“ und „Solution“ in der Fehlerdokumentation gab es die folgenden Hinweise: Granularität sei definitiv vom Anwendungsfall abhängig und müsse für jeden Anwendungsfall spezifisch definiert werden. Zur Interpretation des Fehlerereignisses fehlten hier jedoch, generell betrachtet, Informationen zum Kontext, zur Rolle, zur Häufigkeit des Fehlerauftretens sowie Hintergrundinformationen zum Fehlerereignis. Diese Hintergrundinformationen seien notwendig für die Historisierung sowie dafür, die Fehlersituation und den Vorschlag einer Lösung durch das System nachvollziehbar und transparent zu gestalten. Hintergründe für die Auswahl der Lösungsvorschläge müssten klar und verständlich sein. In der Mensch-zu-Mensch-Kommunikation würden diese Informationen ebenfalls benötigt. In der Diskussionsrunde wurde kritisiert, dass im Vergleich zu früher die Technische Dokumentation heute nicht mehr erklärt, WIE etwas funktioniere. Dieses WIE könnte im Rahmen einer digitalen Dokumentation wieder als Hintergrundinformation zur Verfügung stehen.

Digital versus Print

Die Mehrheit der antwortenden Personen ist positiv gestimmt, wenn es um die Frage geht, ob eine digitale Dokumentation in Zukunft die gedruckten Handbücher und Anleitungen komplett ersetzen kann. 44% antworten mit einem eindeutigen „Ja“, 33% mit einem „wahrscheinlich… in ferner Zukunft“: hierfür müsste sich zunächst die Rechtslage ändern. Die Maschinenrichtlinie fordere ausdrücklich die Papierform für die sicherheitsrelevanten Informationen, deren Verfügbarkeit stets sichergestellt werden müsse. Hinzu komme, dass in vielen Betrieben die digitale Verfügbarkeit der Dokumentation im Shopfloor nicht realisierbar sei. Zuletzt wurde angemerkt, dass die Darstellungsformen der Dokumentation sich auch ändern müssten, damit sie sich den neuen multimedialen Möglichkeiten anpassen. Der Industriebeirat diskutierte zudem über den sinnvollen bzw. wenig sinnvollen Einsatz von AR- bzw. VR-Brillen und darüber, in welchen Anwendungskontexten diese Technologien zweckmäßig eingesetzt werden könnten. Bei der Implementierung von AR- bzw. VR-Brillen sei zu beachten, dass manche Dokumentationselemente, wie zum Beispiel Schaltpläne, sich über solche Brillen derzeit nicht adäquat darstellen lassen.

Ob eine Dokumentation ausschließlich digital zur Verfügung gestellt werden kann bzw. darf, müsse für jeden Anwendungsfall und jede Umgebung gründlich überprüft werden. Hier könne die tekom-Richtline eDok ein hilfreiches Werkzeug sein. Für bestimmte Informationselemente könne die digitale Verfügbarkeit jedoch sehr unterstützend wirken. Sie ermögliche ohne Zweifel eine schnellere Wiederauffindbarkeit von Dokumentation.

Was wir im Hinblick auf die Unternehmensprozesse beachten sollten

Weitere Einsatzmöglichkeiten eines ProDok 4.0-Systems

Ein ProDok-System könnte beispielsweise im Data-Center nützlich sein. Hier werden Schnittstellen dokumentiert (Netzwerke, Edge-Devices, Sensoren) und die Daten mit Fehlersammlungen bzw. Behebungsmöglichkeiten versehen. Eine weitere Möglichkeit wird in der Erfassung von Timelines gesehen, die äußere Ereignisse (Temperatur, Erdbeben) erfassen.

Stellenwert der Technischen Dokumentation im Unternehmen

Der Stellenwert der Technischen Dokumentation in Unternehmen wächst permanent. Das wachsende Produktportfolio verlangt nach systematischen und geordneten Informations- und Wissensmanagement. Alle gesammelten Daten und Erkenntnisse könnten anschließend regional verbreitet und in Schulungen eingesetzt werden.

Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels

Der gesellschaftliche Wandel hat definitiv Einfluss auf die Dokumentationsprozesse. Im Hinblick auf die Erhöhung der Internationalität in Unternehmen sowie auf die unterschiedlichen Ausbildungsgrade in ähnlichen Aufgabenbereichen besteht die Schwierigkeit in der Verständigung und der Auswahl der geeigneten Sprachen für die Dokumentation (Deutsch oder Englisch?), denn alle sollen die Inhalte verstehen.

Was wir technologisch bedenken sollten

  • Es werden alle Funktionen zur Anomalieerkennung benötigt.
  • Für alle Informationsbausteine wäre es sinnvoll, dass sie automatisch generiert werden könnten.
  • Seitens der Maschine müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden, damit eine kontextbasierte Dokumentation bereitgestellt werden kann: Datenverfügbarkeit, Modellierung der Anlage und der Zusammenhänge der Daten, real-time Datenerfassung, Erfassung der Daten der vor- und nachgeschalteten Anlagen, Erfassung der Daten aus den zu verarbeitenden Materialien.
  • Welche Rolle spielt die IT-Sicherheit und der Datenschutz im Hinblick auf prozessrelevante Daten, Know-How-Schutz, Cloud-Computing im ProDok 4.0-Projekt?