Was ist eigentlich Semantik?

Semantische Anwendungen versprechen viel: Die richtige Information stets zur richtigen Zeit im passenden Format zur Verfügung zu stellen. Dabei soll alles individuell anpassbar sein, schließlich stehen Nutzer mit ihren Ansprüchen heute überall im Vordergrund. Deren Bedürfnisse soll der Rechner ganz von allein verstehen und entsprechende intelligente Vorschläge machen. In der Praxis werden sie aber häufig eher als störend empfunden. Wer möchte ständig Hilfe angeboten bekommen? Und meist haben sie ohnehin nur mit Kaufvorschlägen von Internetversandhäusern zu tun. In den seltensten Fällen ist hier echte Semantik im Spiel. Wann aber ist eine Anwendung überhaupt semantisch?

Semantik – Die Lehre von der Bedeutung

Abbildung: Ontologie Bäume versus Ontologie Gelenke - © dictaJet

Abbildung: Ontologie Bäume versus Ontologie Gelenke – © dictaJet

Die Semantik, auch Bedeutungslehre genannt, ist es, die uns verstehen lässt, wann wir vom Baum Kiefer sprechen und wann vom Gelenk. Ein Rechner versteht diesen Unterschied nicht. Wohl kann ihm die Kontextinformation über eine Suche mitgegeben werden. Google-verwöhnte Nutzer werden dies automatisch tun und auf der Suche nach einem Kieferorthopäden nach Kiefer und Orthopäde suchen oder das Wort gleich zusammenschreiben. Die Suchanwendung als solche ist aber noch nicht sehr semantisch.

Erst, wenn ein komplexes Vokabular vorliegt, in dem Bedeutungen explizit hinterlegt sind, handelt es sich um eine echte semantische Anwendung. Um im Beispiel zu bleiben, würde je nach Kontext eine von beiden Varianten durch die Anwendung sofort verstanden werden: Erste Variante: Kiefer = Baum, also ≠ Gelenk; Zweite Variante: Kiefer = Gelenk, also ≠ Baum. Ist das Vokabular umfassend, sprechen Fachleute dann von einer Ontologie. In einer Ontologie sind Begriffe systematisch in Beziehung gebracht und eindeutig definiert (im Beispiel: weitere Bäume oder Gelenke, vergl. Abb. rechts).

Die Lücke zwischen Maschineninformationen und Mensch schließen

Im Projekt ProDok 4.0 wird eine semantische Anwendung entwickelt, die Begriffe aus Technischen Dokumentationen verwendet und in Form einer Ontologie hinterlegt. Gerade in Zeiten von Industrie 4.0 und in einem Maschinenpark, in denen Maschinen miteinander vernetzt sind, ist die Suche nach passender Dokumentation nicht trivial. Bedienungsanleitungen, Arbeitsanweisungen, Sicherheitshinweise, Stücklisten, Installationsanleitungen – sie alle enthalten relevante Informationen, die mit Sicherheit nie dann da sind, wenn sie gebraucht werden.

Genau hier setzt das Projekt ProDok 4.0 an: Eine bedarfsgerechte Ontologie soll die Lücke zwischen den Maschineninformationen und den Dienstleistern an der Maschine schließen. Dieses Vokabular muss so allgemein wie möglich sein, um viele Anwendungsfälle abzudecken, aber auch spezifisch genug, um passgenaue Suchergebnisse zu liefern. Der Dienstleister an der Maschine selbst wird nicht merken, dass die Anwendung semantisch ist. Er wird einfach genau die Information, die er gerade braucht und sucht, schneller finden als zuvor.